Collection
Choralbuch
D-WRha , AW B 1761
Arranger: [Verified]
Scoring summary: org
Scoring: org
Original Title: [f.2r:] Vollständiges und verbessertes | Choralbuch, | zum Behuf des | erneuerten Dresdner Gesangbuchs, für die | Kirche in Ortrand | ausgearbeitet | von | Christian Heinrich Schreyer. | 1806.
Material:
  • Source type:
    Source type: Manuscript copy
    Content type: Notated music
    Material:
    Format, extent: part
    Dimensions: 17 x 22 cm
    Parts held and extent: org (2 staves): 122f.
    Notes:
    Melodie und bezifferte b-Stimme; in einigen Fällen ausgeschriebener Satz, bei einigen Nummern Unterlegung von Texten oder Textfragmenten (siehe Einzeleinträge).
    Binding note:
    Binding note: Anthrazitfarbig marmorierter Pappumschlag.
    Copyist: [Verified]
Shelfmark (olim): 52:1066
Former owner: [Verified]
Former owner: [Ascertained]
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Other: [Ascertained]
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Notes: Altsignatur auf Einbandetikett oben links.
Auf der Innenseite des vorderen Einbanddeckels eingeklebter Briefumschlag-Zettel mit der Adresse [schwarzbraune Tinte]: "Dem Hrn | Pastor M. Frege | Hochwohlehrwürd. | zu | Zwachau."; unten die Reste des Siegels: "[S]AECHS. SUPERINT. DEL[ITZSCH]", daneben Erklärung [vermutlich von Arno Werners Hand, blaue Tinte]: "Siegel: Sächs. Superint. | Delitzsch".
Frege hat die Innenseite des Briefumschlagblattes für "Anmerkungen zu Schreyers Choralbuche" genutzt; das betrifft Angaben zu Komponisten oder Textdichtern (zum Teil als Korrekturen zu Schreyers Kommentaren) für die Choräle no.5, 7, 8, 11, 13, 21-25, 27, 37, 54, 59, 64, 71, 81, 83, 88, 91, 93, 99, 101, 106, 110, 132, 140, 154, 158, 162 und 163 (Näheres siehe unter den entsprechenden Einzeleinträgen).
Lose eingelegt sind eine Karteikarte mit Titel-Informationen zur Sammlung (beschrieben von Arno Werner) sowie eine ausführliche Bibliothekskarteikarte.
Die an ein Deckblatt mit dem Titel "Wege | zu | Christian Heinrich Schreyer | aus | Ortrand | Kr. Liebenwerda. | [unten rechts:] A. Werner." gehefteten beiden Blätter enthalten folgende Informationen: [Beginn auf f.1r:] "Christian Heinrich Schreyer, | geb. 24 Dez. 1751 in Dresden, gest. 24 Jan. 1823 in | Ortrand als Pastor. Vater: Maurergeselle. Kurrende- | schüler, gelegentl. Schüler von Org. Fehre, Annenschule, | 1771 Univ. Wittenberg, 1776 als Kandidat nach Dresden | 1787 endlich 13. 3. 1807 Pastor in Ortrand, Kr. Liebenwerda. | In den 31 Jahren seiner Kandidatenzeit widmete er | sich ganz der Musik, besonders auch der Kompo- | sition. In vielen Kantoreien sang man seine Kantaten, u. a. | in Düben, Delitzsch, Dommitzsch. Ein Verzeichnis in | Werners Ex. von Eitners Quellenlex.. In Werners Bibl., | jetzt in Univ. Bibl. Halle, eine Reihe seiner Werke. | Das hs. Choralbuch in musterhaften Zügen von ihm selbst geschrieben im Forschungsinstitut | Weimar ist druckfertig. Die Grundsätze der | Bearbeitung sind in der Vorerinnerung aus- | führlich dargelegt. Der Anschluss an die | alten 12 Kirchentonarten wird gewahrt."
[Fortsetzung auf f.1v:] "Schreyer pflegte Verbindung mit | Conrad aus Glesien, Gerber, Breitkopf | u vielen Musikern Sachsens, vor allem | im Kurkreise u. im Leipziger Kreise. | Quellenschriften: | Gerber, ält. und jüng. Lex. der Tonkünstler | Eitner, Quellenlexikon 1900... Eintragungen | im Ex. von Arno Werner. | Der sehr ausführliche Lebenslauf, von | Schreyer selbst verfaßt, in Dresden im | Besitz der Familie Scheuffler (Handschrift). | Otto Richter, Kreuzkantor, hat aus dieser Selbst- | biographie einen Auszug veröffentlicht im Auf- | trage des Vereins f. Geschichte Dresdens in den Ge- | schichtsblättern 1909, S. 153ff 'Erlebnisse eines Dres- | dener Annenschülers 1758-1772'. Dieser ist Chris. | H. Schreyer. Er schrieb 'Meine Lebensgeschichte', | 538 Quartseiten. Besitzer Scheuffler, Dresden | (s. o.) | J. Petzold, Die gedruckten Choralbücher. Diss., Halle 1935 | erwähnt Schreyer nicht."
[Fortsetzung auf f.2r:] "Die Bibl. A. Werner i. Halle enthält mehrere | Kompos. von Schr. (SieheEitner, Bemerk zu dem Artikel | Schreyer.) Das Choralbuch von ihm, jetzt | noch in Bitterfeld, Autograph, geht nach Weimar. | Ein Muster an Sorgfalt u. Schönheit in Noten und | Buchstabenschrift. Wichtig ist die Vorerinnerung von | 10 Seiten. Schr. fordert grösste Einfachheit u. Anschluss | an die alten Kirchentonarten, jedoch nur leichten. | Er wendet sich gegen den steifen u. gezwungenen | Kirchenstil Hillers u. die affectirte Art Bachs. | Gemeint ist Phil. Eman. Weder Zahn (VI: Bd.) | noch die Lexika kennen das Choralbuch. Durch | Joh. Gottlob Conrad kam es in meinen Besitz. | Die eingeklebten Verbesserungen sind wohl von dem [Pastor] | M. Frege|* im benachbarten Zwochau. | Kantor Conrad i. Glesien arbeitet für Schreyer, schickt | Choraltexte an Breitkopf u. Härtel, die Schr. gedichtet | und auch komp. hat, am 14. Okt. 1810. (Archiv v. Br u. H.) | |* Frege entstammt anscheinend dem bekannten | Leipziger Bankiergeschlecht. Vergl. das Lesestück | 'Das Glück durch die Gelbwurst'."
[Fortsetzung und Schluß auf f.2v:] "Über das Verhältnis Conrads zu Schreyer ist | nachzulesen: 'Ein sächs. Landschulmeister u. seine Musik- | bücherei' im Festbuch Schering 1937, S. 257/258. | Ferner ein ähnl. Artikel im Kreiskalender von | Delitzsch u. Bitterfeld 193. | Nach dem Register der Allgem. Musikalischen Zeitung | hat Schreier in der Zeit von 1798-1818 | nur einen Beitrag geleistet: 'Rätsel' | Jahrg. XI, S. 734. | Der Neujahrszettel der Kirche zu Ortrand | vom Jahre 1823 gedenkt wohl des ver- | storbenen Pfarrers Schreyer. | Vergl. auch Schreyer in | Werner, 100 Jahre im Dienste d. Kirchenmusik S. 25 u. 193."
Auf f.3r-7v "Vorerinnerung" von Schreyer, Beginn mit den Worten [f.3r]: "Die Einführung des neuen Dresdner Gesangbuchs hat zugleich, auch hiesigen Orts, | um mehrerer Ursachen willen, die Ausarbeitung eines erneuerten und verbes- | serten Choralbuchs nothwendig gemacht, indem theils das Auswerfen vieler, dem | alten Gesangbuche einverleibter Lieder, eine Menge von Melodien entberlich macht, | theils die Aufname neuer, zum Theil auf eigene Melodien gesezter, neue | Choräle erfordert, theils endlich das hiesige Choralbuch besonders, sowohl seiner | Unvollständigkeit, als größtentheils unmusikalischen Generalbasses wegen, ei- | ner Umarbeitung und Verbesserung äußerst benöthiget war. [...]" [f.3r-4r]: Schreyer erwähnt sein bereits 1795 für Dresden "sehr vollständiges, mühsam zusammengetragenes Choralbuch" und nennt Gesang- und Choralbücher, die ihm als Quellen oder zum Vergleich dienten, von Homilius, Fehre, Freylinghausen, Kühnau, Hiller sowie das "gedrukte ehemalige Hofkirchen-Psalmen- und Gesangbuch mit Melodien" (Dresden 1676).
[Vorerinnerung, f.4v]: Schreyer kritisiert: "In dem neuen Dresdner Gesangbuche sind nicht nur viele Dichter-Fehler uncorri- | girt stehen geblieben, sondern auch eine beträchtliche Menge melodischer Fehler mit | aufgenommen worden. Theils paßt die Interpunction der Lieder sehr oft nicht zu | den Ruhepuncten des Gesangs, wodurch es häufig geschiehet, daß Text und Melodie | nicht zusammen harmoniren, sondern einen widerlichen, und selbst den Sinn ent- | stellenden Contrast machen; theils sind auch nicht selten entweder unschikliche oder | unbekante Melodieen über die Lieder gesezt worden; [...]" und konstatiert: "Dem erstern Fehler kann frei- | lich ein Choralbuch nicht abhelfen, da der Choralgesang sich nicht nach dem Reim- | dichter richten kann, sondern dieser vielmehr sich nach der Melodie accommodiren | muß. Dagegen habe ich den leztern Fehler dadurch zu verbeßern gesucht, daß ich die zu | jeder Melodie passenden Lieder nicht nur jedesmal volzählig unter den Noten angege- | ben, sondern auch darüber im Register noch besondere Nachweisung gegeben habe."
[Vorerinnerung, f.5r]: Schreyer betont sein Bestreben, "die Begleitungsbässe der Melodieen stets so einfach und ungekünstelt, als möglich zu | wählen, welches besonders bey denen, so nach alten Tonarten gesezt sind, mir [also ihm] unerläßliche | Pflicht zu seyn schien", plädiert für das Festhalten an den "alten Tonarten" und lehnt die übliche Modernisierungspraxis ab. Er räumt aber ein: "Weit entfernt, den neuern musikalischen Styl vom Choralgesange auszuschliessen, habe | ich vielmehr selbst nicht nur in neuern Chorälen mich desselben mit Mäßigung bedient, sondern | auch bey einigen alten Chorälen die moderne geschmeidige u. kunstmäßigere Spielart beygefügt."
[Vorerinnerung, f.5v-7v]: Schreyer erläutert die alten Kirchentonarten (mit Übersicht auf f.6r) und hebt deren Mannigfaltigkeit gegenüber dem Dur-/Moll-System hervor. [f.7v]: Am Schluß des Vorworts bezieht er sich auf seine Kommentare zu einzelnen Chorälen mit den Worten: "Die zuweilen mit eingestreueten, sowohl biographischen als musikalisch-kri- | tischen Bemerkungen werden ächten Liebhabern des melodischen Kirchengesangs nicht | unwilkommen seyn, wenn ich es auch von denen nicht erwarten darf, die von der prak- | tischen Behandlung des Chorals weiter nichts verstehen, als ihn mechanisch abzu- | haspeln und Orgeltasten zu dreschen."
Auf f.8r-17r: "Register" (alphabetisch geordnet nach Textanfängen, die jeweils links stehenden Nummern beziehen sich auf das Dresdner Gesangbuch, die rechts stehenden auf das vorliegende Choralbuch).
f.1, 2v und 17v leer; Beginn des Notentextes auf f.18r.
Es ist unklar, ob Schreyer jeden einzelnen Choral selbst bearbeitet oder bei der Zusammenstellung dieses Choralbuchs auch Bearbeitungen anderer übernommen hat.
Eingebunden auf f.115r-120r (Originalpaginierung p.3-11) ist der Druck: "Drey Melodien | zu | Wir gläuben all' an einen Gott; | zwo neue, und die alte verbessert | von | Johann Adam Hiller. | H. C. Capellmeister, Cantor der Thomasschule, und Musikdirector der beyden Hauptkirchen in Leipzig. | Leipzig, | bey Adam Friedrich Böhme. | 1790." (siehe RISM A/I: [H 5283); der Druck enthält: p.[1]: Titelblatt; p.3-5: "Vorbericht" von J. A. Hiller; p.6-7: "Alte Melodie, verbessert", Text der 1. Strophe unterlegt; p.8-9: "Neue Melodie", Text der 2. Strophe unterlegt; p.10-11: "Neue Melodie", Text der 3. Strophe unterlegt; alle drei Versionen im vierstimmigen Satz (1 System pro Stimme), B-Stimme mit Bezifferung.
Handschriftliche Anmerkungen von Schreyer: p.8, oben rechts neben dem Titel: "als Probe in Moll."; unten: "Die ersten vier Zeilen dieser Melodie sind dem Kirchenstyle, den Hillers Melodien fast durchgängig | verfehlen, am angemessensten; die folgenden Zeilen sind affectirt u. steif, und haben leyernde | Schlußfälle."; p.10, oben rechts neben dem Titel: "als Probe in Dur."; p.10/11, jeweils unten: "[p.10:] Hiller hat zwar in dieser Melodie die musikalische Ausweichungs-Theorie sehr fleißig angewandt, | aber er muß selbst gefühlt haben, daß diese affectirte und steife Singart zum Kirchengebrauch || [p.11] weder melodisch noch faßlich genug sey, und deßwegen diese und die vorige Melodie nicht mit | in sein Choralbuch aufgenommen."
Library (siglum) shelfmark: AW B 1761
RISM ID no.: 250005808
Last update: October 16, 2022